Samstag, 11. September 2010

... Cyprus: Walking-by-Impressions

An meinem letzten Tag heute bin ich noch einmal durch die Altstadt von Nicosia spaziert und habe auch noch einmal die Green Line passiert. Ich habe vieles gesehen, dass mir bisher noch nicht aufgefallen ist - es gibt einfach so viel zu sehen, so viele kleine Nuancen, die einem beim ersten oder zweiten Mal einfach nicht ins Auge springen. Außerdem habe ich kurz mit einigen Passanten gesprochen und mir jeweils angehört, wie sie sich an diese Gegend erinnern.

Direkt an der UN-Bufferzone, nicht weit von der Touristen-Einkaufsstraße Ledra Street und dem bekanntesten Übergang zum Nordteil, sieht man größtenteils Ruinen. Nebenbei natürlich immer die Schilder "UN-Zone", "Fotografieren verboten", etc. Es wirkt extrem verwahrlost (zwei Seitenstraßen der Touristenzone entfernt!), Fenster sind eingeschlagen, Mauern verwittert, überall liegt Sperrmüll - hier wohnen kaum Menschen. Jene, die dort wohnen, sind Migranten; eine griechisch-Zypriotin habe ich auch aufgestöbert, indem ich einfach in ein ruinenartiges Haus gegangen bin und im ersten Stock angeklopft habe, weil ich draussen Wäsche hängen gesehen habe. Bei der Erklärung, warum sie hier wohnt, blickt sie traurig aus dem Fenster - direkt auf Stacheldraht, zerstörten Häusern und das UN-Schild. Unter ihr hatte ein griechischer Zypriot einmal einen Metallwarenladen, hier sind ständig Menschen ein und aus gegangen. Jetzt ist er leer, bis auf das letzte ausgeräumt, nur noch Bierflaschen erinnern daran, dass jemals Menschen hier waren. Sie blieb als einzige hier, weil sie immer noch hofft, irgendwann einen anderen Blick aus dem Fenster genießen zu können - wie früher.


Der Blick aus dem Fenster

Man kann sich, wenn man durch die Straßen geht, wirklich nur schwer vorstellen, dass hier einmal alles vor Lebenslust gestrotzt hat, dass hier Menschen gewohnt haben, Feste gefeiert wurden und alles voller Leben war. Auf meinem weiteren Weg sehe ich Wohnungen, die von der UN übernommen wurden - neben jeder Wohnung steht UN und eine Zahl mit weißer Farbe auf eine braune Wand gemalt. Die Fenster und Türen sind heraus gerissen, hier hat lange keiner mehr gewohnt. Darunter sammelt sich Sperrholz in der Sackgasse - alte Schreibtische, Reifen, Mistkübel, Stühle, Nachttischlampen und Reste aus Wohnungen, die sicherlich viel erzählen könnten. Gleich daneben, in einer Garage, steht ein geputzer, glänzender Porsche. Kurioser könnte das Bild gar nicht sein. Leider habe ich beides nicht auf meine kleine Digicam gebracht, hier dafür ein anderer, selbsterklärender Eindruck der Stadt.


...

Merklich ist auch der Geruch in den Straßen - ein süsslicher, sehr angenehmer Geruch, der in der Luft hängt. Überall, in jeder Taverne, jedem Pub, jedem Café sitzen Menschen jeden Alters, die zufrieden an ihrer Shisha nuckeln. Im Vorbeigehen höre ich des Öfteren "cyprus ... problem ... the greek and the turkish ...."; die meisten Touristen (es müssen Touristen sein nehme ich an, sonst würde ich ihre Sprache nicht verstehen) unterhalten sich offenbar über das Thema, das mir seit Dienstag Abend offensichtlich vorkommt: Das Zypern-Problem.
Zurück im Hotel, beim Auschecken, spreche ich noch kurz mit einem sehr alten Rezeptionisten. Als er mich fragt, was mein Business ist, erzähle ich ihm kurz warum ich hier bin. Sein kurzer Kommentar dazu: "Wenn man Zypern mit einem Kran versetzen würde - neben Neuseeland beispielsweise - wäre das Problem schneller gelöst als man glauben könnte."

Jetzt geht es wieder ab nach Wien, wo ich mit sovielen Menschen wie möglich über meine Eindrücke sprechen werde, damit ich das Wichtigste filtern kann. Gern fliege ich aber nicht - ich hab mich so an die Wärme gewöhnt, an den Anblick von solchen Dingen aber nicht.

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