Nach ein paar zypriotischen Kaffees (das ist eigentlich türkischer Kaffee, heißt aber aus "verständlichen" Gründen hier im "richtigen Zypern" nicht so) hat mein Körper endlich verstanden, dass er weitermachen soll. Ein Highlight heute war auf jeden Fall die Überschreitung der Grenze (im wahren und im übertragenen Sinn) in der Hauptstadt. Wobei man Grenze ja nicht sagen darf ("A boarder is between two countries, that's the Fireline.") Nachdem mir ein relativ unfreundlicher türkischer Polizist, der sich offenbar nicht mit mir unterhalten wollte, ein Visum ausgestellt hat, gings auf die türkisch-zypriotische Seite Nicosias, die, wenn man die Hauptstraße verlässt, so aussieht:
Überhaupt war heute ein türkischer Feiertag (Ramazan Bayramı, das "Fest des Fastenbrechens" am Ende des Ramadans), also nicht unbedingt der beste Zeitpunkt, um sich die geteilte Hauptstadt auf der "anderen Seite" anzusehen. Die meisten Geschäfte waren geschlossen, nur jene waren offen, die an der touristischen Hauptstraße weggehend voder Green Line liegen. Überhaupt wirkt Nord-Nicosia nicht unbedingt einladend; eher wie eine Geisterstadt. Und die Menschen hier sind nicht unbedingt auskunftsfreudig und jene, die es wären, können sich nicht mit mir verständigen.
Am Nachmittag habe ich lange mit einem UN-Blauhelm, der über 15 Jahre hinweg insgesamt 4,5 Jahre auf Zypern war und gerade ist, über das Zypern-Problem gesprochen. Es war interessant, eine relativ neutrale Sicht der Dinge zu hören, hat mich aber schon auch sehr verwirrt, weil er mir die vielfältigsten - außerzypriotischen - Interessen erläutert hat. Es war toll, eine solche Rundumsicht der Dinge zu bekommen, danach war ich aber mal vollkommen dizzy und musste alles ordnen, was mir bis jetzt noch nicht ganz gelungen ist.
Zum krönenden Abschluss war ich mit einer griechisch-zypriotischen Familie in einer griechischen Taverne Abendessen - begonnen haben wir zu viert, letztendlich sind wir zu sechst am Tisch gesessen. Die Quintessenz des Abends: Sie hassen die (eingewanderten) Türken, die im Norden leben und überhaupt sind sie Schuld an der ganzen Misere und sind auch dafür verantwortlich, dass das Problem gelöst wird. Sehr intelligente, gut ausgebildete Menschen sind das, die aber einfach so emotional betroffen sind (die ganze riesengroße Familie wurde aus ihren Häusern in einem Dorf im Norden vertrieben, ohne etwas mitnehmen zu dürfen), dass sie auch gar nicht neutral denken können - was natürlich nachvollziehbar ist. Man lässt sich schnell von den vielen meist wirklich furchtbaren Geschichten einnehmen und bildet sich eine Meinung; ich werde zu diesem Zweck aber morgen eine türkische Zypriotin treffen, die mir ihre Sicht der Dinge schildern wird.
Als Zuckerl hätte ich heute auch ein Telefoninterview mit einer griechischen Zypriotin gehabt, die mit einem türkischen Zyprioten verheiratet ist - jedem, dem ich das erzähle, ist davon ganz erstaunt und sagt mir, dass ich solche mixed couples an einer Hand abzählen könne. Durch den türkischen Feiertag allerdings musste sie packen, um ihre Family in law zu besuchen und hatte kaum Zeit um mit mir zu reden - und hätte das wohl auch nicht sehr gern gemacht. Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass ich ihr die Fragen per Mail zusende, sie mit ihrem Mann darüber spricht und dann - "promised!" - antworten wird, allerdings erst Anfang nächster Woche. Darauf freue ich mich sehr, denn das wird sicher eine spannende Geschichte werden!
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