Mittwoch, 8. September 2010

... Cyprus: Best Practice?

Pyla ist das einzige Dorf auf Zypern, in dem griechische und türkische Zyprioten nebeneinander leben; sonst sind sie auf ganz Zypern durch (selbst gezogene oder militärische) Grenzen getrennt. Persönlich dachte ich eigentlich, dass irgendwo in Pyla eine unsichtbare, aber doch merkliche Grenze gezogen ist, die die beiden Nationalitäten (die ja eigentlich eine sind) ebenfalls voneinander trennt.



Am Hauptplatz in Pyla angekommen, steige ich in das UN-Auto des slowakischen Offiziers ein, der mich nach "Alcatraz" begleitet; so ist der Name der UN-Basis auf dem Berg in Pyla, wo 24 Stunden sieben Tage die Woche 14 slowakische UN-Soldaten auf staubigen Pisten, mitten in der Pampa, ihre Patrouillen fahren. Rundherum ist eine griechische, eine türkische und eine türkisch-zypriotische (das darf nicht verwechselt werden!) Militärbasis, alle in Sichtweite der UN-Base. Es gebe hier oben schon manchmal Probleme wegen der Bufferzone - hauptsächlich mit (betrunkenen) Jägern, die die Bufferzone betreten, oder Soldaten, die sich bewaffnet oder zu weit von der Grenze (400m sind erlaubt, manche gehen aber 500m weit) bewegen. In Pyla selbst, im kleinen Dorf direkt, gebe es aber keine Probleme. Das versichern sowohl UN-Soldaten, ausländische Kellnerinnen die hier arbeiten, Einheimische und ein australischer Police-Officer, der ebenfalls für die UN tätig ist.

Das kann man auch wirklich am ersten Blick erkennen: Das Dorf ist sehr ruhig und wirkt durch Second-Hand-Läden namens "Friends" oder Pubs namens "Happy Nest" wirklich sehr freundlich. Das "Happy Nest" ist eines der wenigen Pubs, in dem türkische als auch griechische Zyprioten verkehren - sonst gibt es schon eigene Lokalitäten: Griechische Tavernen und Türkische Cafes reihen sich am Hauptplatz nebeneinander. Flaggen sind nirgends zu sehen; sie sind nur an religiösen Feiertagen oder an Schulen erlaubt. Überhaupt ist hier jeder darauf bedacht, dass Gleichheit herrscht: Beispielsweise sind die sechs slowakischen UN-Soldaten, die jeweils sechs Monate im Dorf stationiert sind dazu angehalten, viel mit den Bewohnern zu reden. Wenn sie das aber beispielsweise in einer griechischen Taverne machen, müssen sie auf jeden Fall am selben Tag noch ein türkisches Café besuchen. Hier wird Gleichheit also wirklich (zumindest nach außen) gelebt! Es gibt auch keinerlei Kriminalität in Pyla, erzählt der australische Police-Officer. Das sagt aber nicht nur er, beeilt er sich dazu zu sagen, das zeigen vor allem die Statistiken eindeutig. Er meint es ist einzigartig in der Welt, dass Muslime und Christen hier Tür an Tür in so einem kleinen Dorf wohnen.

Das beste, was ich heute gehört habe, war, dass die Leute hier weder nachtragend sind, noch dass sie sich die Schuld an der "Misere Zypern" geben. Zwar haben auch diese Menschen (auf beiden Seiten!) Angehörige und Freunde verloren; doch wissen die Pylaner, dass nicht die Menschen in diesem Dorf die Schuld tragen. Deshalb ist das Zusammenleben auch idyllisch und friedlich, auch wenn das durch die UN und die Militär-Aussichtstürme der anderen Nationen nicht unbedingt so wirkt. Die UN ist zwar unbewaffnet, die türkischen und griechischen Soldaten allerdings nicht. Das macht teilweise schon Angst, meint ein Einheimischer.

So schön und nach "Best Practice" für ganz Zypern das auch klingen mag: Der Pub-Besitzer des "Happy Nest", ein griechischer Zypriot, trinkt beispielsweise nicht aus einer Tasse, die türkisch gebrandet ist. Er beharrt darauf, seinen zypriotischen Kaffee in einer Tasse mit griechischem Logo zu trinken.



Da führt kein Weg daran vorbei, denn ganz geheuer sind die türkischen Zyprioten ihren griechischen National-Genossen dann doch nicht. So verhasst wie die Festlandtürken sind sie aber noch lange nicht.

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